Aus alten Zeiten

Einst nur im Blousonhemd – heute historische Kostüme

Am 17. Oktober 1847 erfolgte der erste Verpflichtung von Stadtführern. Bis zum heutigen Tag sind die Gästeführer im Stadtbild anzutreffen und erläutern den Besuchern die Geschichte der Wartburgstadt.

Die Aufnahme des Zugverkehrs auf der Thüringer Eisenbahn im Jahre 1847 war ein bedeutendes Ereignis für die Stadt Eisenach. Neben der industriellen Entwicklung bewirkte die Bahn auch einen starken Anstieg des Tourismus. Die Restaurierung der Wartburg und die Gestaltung der Landschaft durch Forstrat Dr. König begünstigten den Zustrom von Fremden.

So sah sich der Stadtrat im Herbst 1847 veranlasst, Fremdenführer zu verpflichten „um den hierher kommenden Fremden den Besuch der Stadt und der Umgebung zu erleichtern und sie vor Überteuerungen zu schützen“. Die Führer erhielten ein blaues Blousonhemd und ein kleines Schild mit einer Nummer, „damit sie nicht mit geflickten Wämsern vor die Gäste treten brauchten“.

In der Anordnung hieß es weiter: „Für die Fremden liegen in allen Gasthöfen Bücher zur Einzeichung von Lob und Tadel bereit, die die Instruktionen des Führers und die Kriterien für den Führerlohn enthalten.“ Weiterhin wurde darauf hingewiesen, dass sich die Fremdenführer eines höflichen, ehrerbietigen und untertänigen Verhaltens zu befleißigen haben, damit die Gäste u. a. einen erneuten Besuch der Stadt ins Auge fassen. In der Regel waren damals Einzelreisende zu betreuen, die meist finanziell gut gestellt und lukrativ für das Gaststättengewerbe waren. Der Gruppentourismus, wie er heute typisch ist, war noch nicht erfunden.

Der Tourismus ist heute zu einem wichtigen ökonomischen Faktor geworden, der vielen Einwohnern Lohn und Brot sichert. … Als Repräsentanten der Wartburgstadt und ihrer Geschichte versehen die Gästeführer eine wichtige Aufgabe im Interesse des Gemeinwesens, wobei sie sich nun schon auf eine über 160-jährige Tradition stützen können.

Artikel: Karl-Heinz Dietze