Weltgästeführertag 2016

Plakat WGFT 2016Willkommen in der GRÜNderzeit

Auf den ersten Blick mag das Thema des diesjährigen Weltgästeführertags erstaunen, denn im Februar dominieren andere Farben. Aber das Thema erlaubte Assoziationen in allen Bereichen: z. Bsp. das Grün der Natur oder in der Kunst. Ebenso konnte auch die Gründerzeit im 19. Jahrhundert in der Wirtschaftsgeschichte oder in der Architektur Thema sein. Das Thema hat eine mehrdeutige Schreibweise – der Phantasie waren also keine Grenzen gesetzt!

Im engeren Sinn werden als Gründerjahre die ersten Jahre nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs (1871) bezeichnet. Im  architektonischen Verständnis wird die Dauer der Gründerzeit für die gesamte Phase der Hochindustrialisierung in Deutschland von 1870 bis 1914 ausgedehnt. In dieser Zeit entstand in Eisenach eines der größten und schönsten Villenviertel in Europa!  Was lag da also näher, als eine Sonderführung durch einen Teil des Villenviertels in der Südstadt?

WGFT 2016 (1)

von l. nach r.: I. Conrad, S. Wagner, T. Illmer, C. Braun, H. Stange, D. Petarus, C. Hartleb

Gästeführer sind es zwar gewohnt, bei Wind und Wetter unterwegs zu sein. Aber es gibt Tage, an denen man den Spruch: „Es gibt kein schlechtes Wetter …!“ wirklich nicht braucht. Bei leichtem Nieselregen versammelten sich am Samstag, 20. Februar, knapp 100 interessierte Gäste in der Wandelhalle. Vielen Dank allen Gästen, die sich trotz Regenwetter auf den Weg machten und uns die Treue gehalten haben! Nach der Begrüßung der Gäste durch Ina Conrad (Gästeführerverein) und Frau Koch von der Eisenach-Wartburgregion-Touristik GmbH führten die Gästeführerinnen:

  • Cornelia Braun
  • Ina Conrad
  • Cornelia Hartleb
  • Helga Stange

als „Luise Reuter“ gewandet in vier Gruppen durch die Südstadt.

WGFT 2016 (7)Die Trink- und Wandelhalle wurde 1906 – also vor 110 Jahren eingeweiht. Eisenach hatte sich auf den Weg zu einer Weltkurstadt gemacht. Die Karolinenquelle wurde durch eine lange Wasserleitung in die Stadt geleitet und hatte durchschlagende Wirkung. Die Oberpostsekretärin (Sabine Wagner) und Minna (Dietlinde Petarus) berichteten von der Einweihungsfeier und den amüsanten Begebenheit zu dieser Zeit.

WGFT 2016 (3)Auf dem Weg traf „Luise“ Herrn „Philipp Kühner“, den Chefredakteur der Eisenacher Tagespost (Thomas Illmer).  Das Haus von Philipp Kühner beherbergt heute die Musikschule. Sein Versuch, Luise Reuter zu einem Verkauf ihrer Villa an die Stadt Eisenach zu überreden, die daraus ein Museum machen wollte, scheiterte. Sie blieb fest entschlossen, es der Schiller-Stiftung in Jena als Alterssitz für mittellose Schriftsteller zu übereignen.

WGFT 2016Im Jahr 1868 hatten Fritz Reuter und seine Frau Luise ihre Villa im Helltal am Fuße der Wartburg bezogen. Ein Jahr nach dem Tod von Luise Reuter kaufte die Stadt Eisenach die Villa von der Schiller-Stiftung und übernahm u. a. die Verpflichtung, einige Räume der 1. Etage im ursprünglichen Zustand zu belassen. WGFT 2016 (4)

In letzter Zeit gab es Gerüchte um einen evtl. Verkauf durch die Stadt. Hat sich deshalb Fritz (dargestellt von Erik Kuhlmann) aufgemacht, um nach dem Rechten zu sehen? Was für eine Überraschung in der Reuter-Villa!   …  ein schöner erhaltenswerter Ort – und das nicht nur an diesem regnerischen Tag.

 

WGFT 2016 (5)Weiter ging es – die Marienhöhe hinauf. Nicht nur hier, oberhalb des Prinzenteichs, sondern auch auf der Karthäuserhöhe und der Predigerhöhe gibt es wunderschöne Villen in allen Spielarten des Historismus. Keine gleicht der anderen. Ungefähr 400 Jugendstil-Villen gibt es – wunderschön eingebettet in der Natur zumeist mit Blickbezug zum Wahrzeichen der Stadt, der Wartburg.

 

WGFT 2016 (6)Über 60 Villen ließ Bauunternehmer Lorenz Freitag errichten. Für sich selbst baute er Villa „Felseneck“. Frau Freitag (Petra Heym) und ihre Hausdame Sophie (Angela Motschmann) luden zur Einweihungsfeier ein und gewährten einen Einblick in die wunderschöne Inneneinrichtung zu der auch eine Grotte gehört. Zum Schluss gab es für die Gäste Brot & Salz (Salzbrezel) und einen Schluck vom „Selbstgebrannten“. Vielen Dank Herrn Birkholz für den Einlass und die süße Überraschung!

Als Bewohnerin einer Villa in der heutigen Zeit sprach Dr. Juliane Stückrad über die interessante Baugeschichte ihres Hauses in der Fritz-Koch-Straße.

Vielen Dank allen Mitwirkenden, die auch in diesem Jahr wieder zum Gelingen des Weltgästeführertags beigetragen haben.

Vieles geschieht bereits als Vorbereitungsarbeit im Hintergrund. Schon Monate vorher wird das Event geplant. Neue Ideen müssen entwickelt werden, um das vorgegebene Thema unterhaltsam umzusetzen. Welche Unterstützer und Freunde können mit „ins Boot“ genommen werden?  Wie sieht es in unserem „Kostümfundus“ aus? Wer unterstützt uns bei der Werbung für die Veranstaltung?  Klappt das Timing? Wie wird das Wetter und wie viel Gäste können wir begrüßen ….

Unserer besonderer Dank gilt an dieser Stelle insbesondere:

  • Frau Arnold vom Reuter-Wagner-Museum,
  • Herrn Birkholz (Unternehmensgruppe Birkholz) und Frau Feckenstedt (Architektin)
  • Frau Dr. Juliane Stückrad (Volkskundlerin)
  • Frau Koch (von der EWT) für die Begrüßungsworte
  • Andreas Wagner und Thomas Illmer (für die schönen Fotos)
  • Herrn Erik Kuhlmann (für die Rolle des Fritz Reuters)
  • der Presse für die freundliche  Berichterstattung s. dazu auch TLZ vom 22.02.2016

Am Ende konnten wir für die Wandelhallen-Stiftung und das Reuter-Wagner-Museum eine Spende von insgesamt 200 Euro einsammeln.  Auch wenn es in diesem Jahr wetterbedingt etwas weniger ist – jede Spende zählt! Herzlichen Dank! Die Übergabe der Spende erfolgte am 22. April 2016 in der Reutervilla.

Foto Norman Börner, TA EA

Foto: Norman Börner, TA Eisenach

v.l.n.r.: GF Helga Stange, Kulturdezernent Ingo Wachtmeister, GF Ina Conrad, Antje Kaufmann (Mitarbeiterin des Reuter-Wagner-Museums)

 

 Anschlussveranstaltung im Museum

In diesem Jahr gab es eine Besonderheit! Im Anschluss an die Sonderführung lud „Luise Reuter“ aus Anlass des Weltgästeführertags um 16 Uhr in das Reuter-Wagner-Museum ein.

Die Villa des niederdeutschen Schriftstellers Fritz Reuter und seiner Frau Luise  war schon immer ein gastfreundliches Haus. Dieses Mal hatte sich eine illustre Gästeschar angekündigt.  Hinter den geladenen Gästen verbargen sich  Mitglieder des Eisenacher Gästeführervereins mit ihrem breiten Angebot  an Kostümstadtführungen. In gewohnt amüsanter Art erfuhren die Gäste Wissenswertes zur Eisenacher Stadtgeschichte und die ein oder andere Anekdote aus „erster Hand“. Die Nachfrage war so groß, dass die Veranstaltung des Thüringer Museums zwei oder drei Mal ausverkauft hätte sein können. Da hieß es, rechtzeitig Plätze reservieren!

WGFT 2016 (Foto T. Illmer)

Foto: T. Illmer

Die Klinke in die Hand gaben sich:

  • Cornelia Hartleb (als Luise Reuter)
  • Eva Hedwig (als Johanna Sophia Bach)
  • Alexandra Husemeyer (als Katharina von Bora, die Lutherin)
  • Ina Conrad (als Magd aus dem Hause Cotta, dem Lutherhaus)
  • Petra Heym (als Emilie von Wartenberg)
  • Helga Stange (als Frau Holle)

Natürlich können einzelne Gästeführerinnen auch in mehrere Rollen schlüpfen! Das Ganze sollte ja einen Einblick in das breite Angebot an Stadtführungen zeigen und „Lust auf mehr“ machen. Daneben gibt es auch noch solche Kostümführungen wie z. Bsp. mit dem Mönch Heinrich (H. Kleff) oder der Handwerksmeisterin (H. Stange).

Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung  von Elisa  Mitzner auf der Querflöte, begleitet von ihrer Lehrerin Gesina Schiller-Hardt  von der Musikschule Johann Sebastian  Bach.

 Artikel: Helga Stange

Zum bundesweiten Programmheft Weltgästeführertag 2016: hier klicken

In Thüringen nahmen neben dem Verein Eisenacher Gästeführer folgende im BVGD organisierte Mitgliedsvereine teil: Bad Langensalza, Erfurt, Gera, Jena, Naumburg und Weimar 

Die Führungen werden ehrenamtlich, also kostenlos angeboten, aber Spenden für ein bestimmtes (vorher benanntes) Projekt zu sammeln, kann eine sinnvolle Unterstützung für die Region sein.
Der Weltgästeführertag (WGFT) ist ein Baustein auf dem Weg zur beruflichen Anerkennung! Ein Baustein, der Spaß macht, der Mitglieder zusammenbringt und Bürger, Medien, Verantwortliche und Entscheidungsträger im Tourismusbereich und in der Politik auf den Beruf des Gästeführers aufmerksam macht. Der WGFT findet weltweit mit ehrenamtlichen Führungen von professionellen Gästeführern am 21. Februar, dem Gründungstag des Weltverbandes (WFTGA), statt. Die Besonderheit des Weltgästeführertages in Deutschland ist, dass es bei aller Verschiedenheit der Regionen ein von den Mitgliedern ausgewähltes Thema gibt!

GRÜNderzeit in Worpswede – Auftaktveranstaltung zum Weltgästeführertag 2016 | BVGD – Bundesverband der Gästeführer Deutschland e.V.

Worpswede – Auftaktveranstaltung zum Weltgästeführertag 2016

Die Auftaktveranstaltung zum bundesweiten Weltgästeführertag 2016 wird am 20. Februar 2016 in Worpswede (Niedersachsen) stattfinden. Unter dem Motto „GRÜNderzeit“ erklärten sich die Gästeführer Worpswede-Teufelsmoor e. V. bereit, das Event zu organisieren.

Nach der offiziellen Eröffnung mit Politikern, Touristikern und Persönlichkeiten aus dem Wirtschafts- und Kulturleben gibt es thematische Führungen und ein traditionelles Grünkohlessen.