Weltgästeführertag 2018

„Menschen, die Geschichte schrieben“

Plakat zum Weltgästeführertag 2018

… so lautete das Thema der diesjährigen Sonderführung. Eisenach kann in dieser Hinsicht mit großen Namen der Weltgeschichte aufwarten, wie z. Bsp. Johann Sebastian Bach, Martin Luther, der Heiligen Elisabeth. Aber auch in der „2. Reihe“ gibt es zahlreiche Menschen, die Erzählenswertes hinterlassen haben und an die mit dieser Führung besonders erinnert werden sollte.

Die Liste der Söhne und Töchter Eisenachs – aber auch der Förderer der Stadt – ist lang. Wir haben mit unserer Sonderführung am Samstag (24. Februar 2018) eine kleine Auswahl getroffen. Sicher werden wir bei den nächsten Sonderführungen anl. des Weltgästeführertags auf weitere Personen eingehen können.

vlnr: Helga Stange, Sandra Wichmann, Ina Conrad, Petra Heym

Über 100 Gäste konnten wir um 13.30 Uhr vor dem Rathaus bei strahlendem Sonnenschein begrüßen. Allerdings lagen die gefühlten Temperaturen weit unter Null Grad, so dass wir kurzfristig unsere „Außenstationen“ in zum Teil beheizte Gebäude verlagerten. Gästeführer sind zwar nicht aus Pappe, aber das Wohl unserer Gäste liegt uns sehr am Herzen. Deshalb hielt sich Ina Conrad auch nicht lange bei der Vorrede auf.

Nach der Begrüßung der Gäste und dem Vorstellen des Themas, wurden wieder vier Gruppen gebildet, die von Ina ConradPetra Heym, Sandra Wichmann und Helga Stange geführt wurden. Alle Gäste bekamen nach einem vorher ausgeklügelten Plan das Gleiche geboten. Vier Stationen befanden sich um den Marktplatz herum.

Dietlinde Petarus

Im Stadtschloss empfing uns Dietlinde Petarus als „Dienstbotin“ der Herzogin Helene von Orleans. Die Herzogin, Enkeltochter des Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, wurde aufgrund ihrer großzügigen Wohltaten an die Eisenacher Bevölkerung auch als „2. Heilige Elisabeth“ verehrt. Die „Dienstbotin“ wusste aber auch vom Empfang des Richard Wagner und von Franz Liszt durch die Großherzogin Maria Pawlowna zu berichten.  

Cornelia Braun

Im wunderschönen Rokokosaal des Schlosses wartete schon eine Hofdame (Cornelia Braun). Sie erinnerte an Goethes enge Freundin Charlotte von Stein, die 1742 in Eisenach das Licht der Welt erblickte. Ebenfalls aus Eisenach stammt eine weitere Hofdame des Weimarer Musenhofes: Luise von Göchhausen, der wir den Erhalt des „Urfaustes“ von Goethe verdanken.

 

Christiane Tomaske

„Tante Frieda“ (Christiane Tomaske) wartete schon im „Rodensteiner“ auf die Gäste. In ihrer bekannten humoristischen Art berichtete sie von dem Kunstmaler Paul Hempe, der die Eisenacher Originale „Henner und Frieder“ schuf. Wir verdanken ihm aber auch vorzügliche Landschaftsbilder und Zeichnungen von alten idyllischen, teilweise längst verschwundenen Eisenacher Häusern und Straßen. Im ehemaligen Weinlokal war aber auch Joachim Ringelnatz Stammgast, der als Kunstfigur: Kuddel Daddeldu bekannt ist.

Lydia Schindler

Künstlerisch ging es auch bei Lydia Schindler zu. Am ehemaligen Standort des Geburtshauses des Malers und Kunstprofessoren Friedrich Preller d.Ä. in der Karlstraße (heute Sparkasse) hatte sie ihre Staffelei aufgestellt. Um seine romantische Stilrichtung besser erklären zu können, malte sie Prellers Gemälde: „Die Wartburg bei Eisenach“ nach.  Friedrich Preller d.Ä. – gefördert durch Goethes Zeichenschule, erhielt das Privileg, Goethe auf seinem Sterbebett zu zeichnen. Preller d.Ä. starb am 23. April 1878 in Weimar, also vor 140 Jahren. Von seinem Sohn, Friedrich Preller d.J. stammt das Gemälde „Prometheus“ in der Aula des Martin-Luther-Gymnasiums Eisenach.

Margit Stephan und Thomas Illmer

Der Frau eines Handwerkers (Margit Stephan) lief der Geheime Hofrat Professor Dr. Carl Friedrich Ferdinand Senft (Thomas Illmer) gerade recht über den Weg. Ferdinand Senft wurde 1810 in Möhra geboren und starb vor 125 Jahren (29.3.1893) in Eisenach. Er war ein anerkannter Lehrer, Geologe, Mineraloge, Bodenkundler und Botaniker. Sein Wohnhaus stand am Johannisplatz 14.  Von 1835 bis 1890 war er Lehrer für Naturwissenschaften an der von Dr. Gottlob König gegründeten und geleiteten Forstlehranstalt in Eisenach, an der 1890 auch Georg von Sayn-Wittgenstein studierte. Zeitweise erteilte Senft auch Unterricht am Eisenacher Realgymnasium, dem heutigen Ernst-Abbe-Gymnasium, das in diesem Jahr sein 175-jähriges Jubiläum begeht. 

Cornelia Hartleb

Weiter ging es in die Marienstraße zur Gedenkstätte „Goldener Löwe“, die an den Gründungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei SDAP unter Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht im Jahr 1869 erinnert. Zu dieser Zeit wohnte auch Fritz Reuter mit seiner Frau Luise (Cornelia Hartleb) in seiner Villa gleich in der Nähe.  Es war das Stammlokal des beliebten norddeutschen Schriftstellers. Die Gedenkstätte gibt auch einen Einblick in das Eisenach der damaligen Zeit – z. Bsp. mit den Industriebetrieben der Fa. Demmer oder von Eichel-Streiber.

Anke Kretzschmar

Aber auch die Fahrzeugfabrik von Heinrich Ehrhardt (gegründet 1896) gehörte zu den bedeutenden Industriebetrieben der Stadt. Gästeführerin Anke Kretzschmar gab als „Schwiegertochter Wilhelmine Erhardt“ ihr Debüt.  Wilhelmine war eine weltgewandte fortschrittliche Frau, die selbst Autorennen fuhr und in der Kleinstadt Eisenach für manche Verwunderung sorgte. In einer Kostümstadtführung kann man noch mehr von Wilhelmine erfahren!

 

Jeannette Hentschel

Unweit des ehemaligen Gasthofs „Goldener Löwe“ befindet sich seit 1909 das Denkmal für den liberalen und kunstsinnigen Großherzog Carl-Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach. „Vornehm, edel und schlicht, wie die Burg, die du sinnend erneutest – also bewahret dein Bild treu im Gedächtnis – die Stadt. „Omnia cum deo, nihil sine eo“ (Alles mit Gott, nichts ohne ihn). Er hat sein Lebenswerk, die Wartburg, immer vor Augen. Geschaffen wurde das Denkmal vom Bildhauer Hermann Hosäus, der 1875 in Eisenach geboren wurde und dessen Grab sich auf dem Eisenacher Friedhof befindet. Aus Anlass des 200. Geburtstags von Carl Alexander erinnerte Jeannette Hentschel an ihn. Auf der Wartburg, dem UNESCO Weltkulturerbe, wird es eine Sonderausstellung geben.

Am Ende der Führung konnten wir uns über eine Spende von rund 500 Euro für das christliche Hospiz St. Elisabeth in Eisenach freuen. Vielen Dank den Akteuren, fleißigen Spendern und allen, die uns auch in diesem Jahr wieder unterstützt haben.

 

Unser Dank gilt an dieser Stelle ganz besonders:

  • Frau Karin Richardt von der August-Bebel-Gesellschaft e.V. (Gedenkstätte „Goldener Löwe“)
  • Frau Dr. Annika Johannsen, Leiterin Thüringer Museum Eisenach
  • Herrn Gernod Siering von der Buchhandlung „Leselust“
  • Sparkasse Eisenach
  • Göbel´s Sophien Hotel
  • der lokalen Presse für die Vorankündigung und freundliche  Berichterstattung s. Artikel TLZ vom 26.02.2018

Eisenacher Gästeführer – Akteure des Weltgästeführertags 2018

Text und Fotos: Helga Stange

weitere Fotos gibt es hier in der Fotogalerie

Auftaktveranstaltung zum Weltgästeführertag 2018 in Ingolstadt

Das Motto für 2018 „Menschen, die Geschichte schrieben“ hatte Burkhard Teichert vom Verein Region Scharmützelsee eingereicht. Die Auftaktveranstaltung fand am 17. Februar 2018 in Ingolstadt (Bayern) statt.

Jedes Jahrtausend, jedes Jahrhundert jedes Jahrzehnt hat sie vorzuweisen: Menschen die Geschichte schrieben. Weltweit, republikweit, regional, lokal. Geschichtsschreiber, Philosophen, Baumeister, Weltumsegler, Raumfahrer und – forscher, Literatur- und Kunstschaffende, Theologen, Mediziner, Dorfschullehrer wie Hochschullehrer, Adlige und Bürger, Handwerker, Bauern und Arbeiter, Politiker und Widerständler, Humanisten wie Missetäter und Verbrecher, Frauen wie Männer. Sie lieferten Ideen, die den Gang der Welt im Großen wie im Kleinen beeinflussten, vollbrachten Taten, die unvergessen sind, hinterließen anfassbare Werke ebenso wie unfassbare Leistungen. Sie wurden gerühmt, gefeiert, verehrt und verfolgt, gerichtet. Sie sind verortet in Denkmalen, Gedenkstätten, -plaketten und -tafeln, Museen und Heimatstuben, in Landschaften und Parks, in Kunst und Literatur. Und sie sind immer noch (mehr oder weniger) präsent und liefern uns Gästeführern den Stoff, den wir brauchen um – jahrein, jahraus – informative, geschichtsträchtige, spannende und begeisternde Führungen zu konzipieren und unseren Gästen anbieten zu können.